Wissenschaftsgeschichte
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Merlin Wassermann, M.A.

Dissertationsprojekt

Sex in the Lab: Psychophysiologische Experimente zu menschlicher Sexualität in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Das Dissertationsprojekt untersucht, wie WissenschaftlerInnen und ÄrztInnen ab Mitte des 20. Jahrhunderts begannen, die Genitalreaktionen von Männern und Frauen mittels sog. "Phallometer" und vaginaler Photoplethysmographen systematisch zu untersuchen. Die Arbeit fokussiert sich dabei auf drei historische Episoden der psychophysiologischen Sexualforschung: 1) Die „Diagnose“ und „Therapierung“ sexueller „Devianter“ sowie die versuchte Vorhersage des Rückfallrisikos von Sexualstraftätern; 2) Die Untersuchung nächtlicher Erektionszyklen (i.e. im Schlaf) bei Männern und Frauen zur Feststellung sexueller Funktionen und Dysfunktionen, insbesondere Impotenzen; 3) Die Erforschung „normaler“ Sexualität, insbesondere bei Frauen und in Vergleichsstudien mit Männern. 

Die Analyse dieser bislang wenig historisch erforschten Episoden der Sexualforschug wird dabei helfen zu verstehen, mit welchen Schwierigkeiten ForscherInnen bei der experimentellen Messung psychologischer und physiologischer Eigenschaften bei Menschen konfrontiert waren und wie sie versuchten, mit diesen umzugehen. Die Arbeit folgt dabei insbesondere den Sorgen der WissenschaftlerInnen um die Validität ihrer Messungen und rekonstruiert, welche Methoden und Strategien sie anwandten, um diese sicherzustellen. Das Dissertationsprojekt leistet also sowohl einen Beitrag zur Geschichtsschreibung der Sexualforschung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als auch zur Historisierung von Validität und Validierung bei experimentellen Messprozessen.