Wissenschaftsgeschichte
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Caterina Schürch, M.A.

Caterina Schürch, M.A.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

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Dissertationsprojekt

Die Suche nach fundamentalen physiologischen Mechanismen: Kooperationen zwischen Biologie, Physik und Chemie (1918-1939)

Projektleitung: Prof. Dr. Kärin Nickelsen

Das Projekt beleuchtet die Suche nach physico-chemischen Erklärungen grundlegender physiologischer Phänomene in der Zwischenkriegszeit. Die Idee, dass sich biologische Erscheinungen durch physikalische und chemische Vorgänge erklären lassen, war zwar schon vor 1918 verbreitet. Auf institutioneller Ebene etablierte sich die “physico-chemische Biologie” aber erst in den 1920/30er Jahren: Zum einen wurden 1918 mit dem Journal of General Physiology und der Buchreihe Monographs in Experimental Biology einschlägige Publikationsorgane geschaffen. „[Biology] has begun to adopt the methods of the exact sciences,“ so die Herausgeber. Es sei deshalb nötig geworden, eine Plattform für physico-chemische Erklärungen biologischer Phänomene zu schaffen. Zum anderen entstanden ab den 1920er Jahren in den USA wie in Europa Forschungseinrichtungen und Professuren für physico-chemische Biologie.

Wissenschaftshistoriker und -philosophen haben gesellschaftliche, ökonomische und epistemologische Gründe dafür diskutiert, dass sich Biologen speziell in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den exakten Wissenschaften und reduktionistisch-mechanistischen Forschungsprogrammen zuwandten. Was dies für die Forschungspraxis bedeutete, wurde indes kaum gefragt. So ist unklar, auf welcher Grundlage Forscher annahmen, dass sich ein bestimmtes biologisches Problem (theoretisch und praktisch) mit den vorhandenen physico-chemischen Methoden und Konzepten bearbeiten lässt. Ebenso unklar ist, welche Art von Erklärung angestrebt wurde. Zur Klärung dieser Fragen will das vorliegende Projekt beitragen. Zu diesem Zweck werden Forschungskooperationen zwischen Biologen und Physikern oder Chemikern untersucht. Interdisziplinäre Forschung galt in dem betrachteten Zeitraum geradezu als Voraussetzung erfolgreicher physico-chemischer Biologie. Vier interdisziplinäre Forschungsprogramme werden analysiert, um folgende Fragen zu beantworten: (1) Welche Annahmen zur Beziehung von physiologischen und physico-chemischen Phänomenen wurden vorausgesetzt und welche sollten neu etabliert werden? (2) Wie wurden Problemstellungen interdisziplinärer Forschungsprojekte konzipiert?

Das Projekt verspricht ein besseres Verständnis der Entwicklung der Biowissenschaften in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Erstens wird klarer, warum Biologen begannen, sich für bestimmte Eigenschaften von Entitäten, z.B. die Zusammensetzung von Makromolekülen, zu interessieren. Zweitens lässt sich exemplarisch verfolgen, wie sich institutionelle, disziplinäre, technologische und theoretische Innovationen gegenseitig beeinflussten. Drittens wird dargestellt, welchen Kriterien die gesuchte Erklärung genügen sollte. Viertens wird gezeigt, wie sich mit der verwendeten Methode sowohl die Art der angestrebten Erklärung, als auch das Explanandum änderte. Und fünftens liefert die Studie Hinweise auf die Dynamik interdisziplinärer Forschung und die Stellung der Biologie innerhalb der Naturwissenschaften.

Lehrveranstaltungen

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2017

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2016/17

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2015/16