Wissenschaftsgeschichte
print


Navigationspfad


Inhaltsbereich

Johannes Mattes (Halle)

12.11.2026

Ort: Historicum, Schellingstr. 12, K327

Zeit: 12.11.26, 16-18 Uhr c.t.

Johannes Mattes (Halle (Saale)): Genetische Ressourcen und „rassische Ursprünge“: Die Deutsche Hindukusch-Expedition von 1935


Die Expedition suchte im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Britisch-Indien nach „ursprünglichen“ Formen von Kulturpflanzen und sammelte Saatgut, das in Deutschland in heimische Kulturpflanzensorten eingekreuzt werden sollte. Im NS-Staat geriet das vor 1933 initiierte botanisch-agronomische Unternehmen zunehmend in den Sog von wirtschaftlicher Autarkiepolitik, wissenschaftlicher Konkurrenz und der Suche nach vermeintlich „arischen“ Ursprüngen. Der Vortrag begreift die Expedition nicht als zentral gesteuertes Projekt, sondern als wandelbare Zweckgemeinschaft mit konkurrierenden Interessen. Er fragt, wie diplomatisch vermittelter Zugang in wissenschaftliche Autorität übersetzt wurde. Planung, Feldforschung und Auswertung zeigen, dass afghanische Behörden, britische Kolonialakteure, Dolmetscher und lokale Gemeinschaften Mobilität, Probengewinnung und Evidenz mitbestimmten. Kontrollierte Kontakte und verweigerter Zugang begrenzten die botanische Forschung und rückten anthropologische Messungen in den Vordergrund. Die Expedition erweist sich als umkämpfter Prozess der Wissensproduktion, geprägt von asymmetrischen Abhängigkeiten und lokaler Handlungsmacht.

Vortrag im Rahmen des Oberseminars: "Perspektiven der Wissenschaftsgeschichte".


Servicebereich