Wissenschaftsgeschichte
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Cécile Hauser, M.A.

Dissertationsprojekt

Aggression, Konflikt und Frieden – wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit menschlicher Aggression in Westdeutschland (1963 – ca. 1990)

Wie können Menschen friedlich zusammenleben und können sie es überhaupt? Vor dem Hintergrund des West-Ost-Konflikts waren diese Fragen im Deutschland der 1960er- und 1970er-Jahre von grossem Interesse. Konrad Lorenz, ein für seine populärwissenschaftlichen Bücher und Anekdotensammlungen einer breiteren Öffentlichkeit bereits bekannter Verhaltensforscher, lieferte 1963 eine mögliche Antwort. Sein Buch Das sogenannte Böse – zur Naturgeschichte der Aggression übertraf die wildesten Träume seiner Verleger:innen. Das extrem breit rezipierte Werk veranlasste nicht nur eine öffentliche Debatte über die Zukunft der Menschheit, Lorenz’ Thesen wurden auch in der Wissenschaft aufgegriffen, geprüft, zurückgewiesen, übernommen, verändert und noch Jahrzehnte später kommentiert. Forscher:innen verschiedenster Disziplinen setzten sich in den 1960er und 1970er Jahren mit „Aggression“ auseinander. Das Dissertationsprojekt untersucht die verschiedenen wissenschaftlichen Diskurse, die in dieser Zeit in Westdeutschland um das Thema „Aggression“ entstanden – und wieder verschwanden. Dabei liegt der Fokus auf der sich damals gerade institutionalisierenden experimentellen Sozialpsychologie sowie auf der sich im Entstehen befindenden Humanethologie. Die Arbeit beschäftigt sich am Beispiel der „Aggression“ mit der Veränderlichkeit von Fragen, die an ein Phänomen gestellt werden. Schliesslich positioniert das Vorhaben die wissenschaftliche Beschäftigung mit menschlicher Aggression in politischen Bemühungen zur globalen Friedenserhaltung.