Wissenschaftsgeschichte
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Dominik Knaupp, M.A.

Dissertationsprojekt

"The Invention of Classical Tradition"

Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die interdisziplinären Forschungen zum Nachwirken der griechisch-römischen Antike unter dem Begriff (The) Classical Tradition institutionalisiert. Der ursprüngliche Untersuchungszeitraum umfasste das 15. bzw. 16. Jahrhundert mit dem räumlichen Schwerpunkt auf Italien, wurde aber später sukzessive erweitert. Dass es sich bei dem Terminus um ein modernes Konstrukt handelt, wird in der Forschung ebenso schnell außer Acht gelassen wie methodische und inhaltliche Probleme, die sich mit diesem Begriff in seiner derzeitigen Verwendung ergeben. Hier setzt die vorliegende Arbeit an. Anhand der kritischen Auseinandersetzung mit der älteren und neueren Forschungsliteratur werden die historischen Hintergründe sowie die Verbreitung und der Gebrauch des Begriffes beleuchtet. Auf dieser Grundlage und unter Verwendung methodischer Ansätze der Wissenschaftsgeschichte sowie der lateinischen Philologie werden im Anschluss ausgewählte Texte des 15./16. Jahrhunderts in Hinblick auf zeitgenössische Pendants (Akteurskategorien) untersucht und eine differenziertere Lesart der Classical Tradition etabliert. Für einen Gelehrten der Renaissance gibt es nicht nur eine, sondern eine Vielzahl von sich kontinuierlich verändernden literarischen Traditionen, die sein geistiges Œuvre formen.