Kontakt
Raum:
2.30
Telefon:
+498921806976
E-Mail:
josephine.musil-gutsch@lmu.de
Website:
https://www.lmu.de/crossculturalphilology/en/people/contact-page/josephine-musil-gutsch-988566c3.html
Vita
Josephine Musil-Gutsch ist Postdoc am LMU Exzellenzcluster „Cross-Cultural Philology“ mit einem Projekt zur Rolle der Philologie in der Alchemiegeschichtsschreibung. Von 2024 bis 2026 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum für interdisziplinäre Wissenschaftsreflexion der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
Sie studierte Komparatistik und Wissenschaftsgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und promovierte 2022 an der LMU mit Stationen in Amsterdam, Berkeley und Halle. Ihre Promotionsschrift zur kooperativen Forschungspraxis zwischen Natur- und Geisteswissenschaften um 1900 wurde von der Gerda-Henkel-Stiftung gefördert und mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Ihr Forschungsinteresse gilt einer gemeinsamen Geschichte der Natur- und Geisteswissenschaften, der materiellen Kultur der Wissenschaft, Forschungspraktiken sowie der Interdisziplinarität.
Aktuelles Projekt
"Philology of Alchemy"
The project develops a new perspective on the history of philology through the example of the history of alchemy and alchemic research. Alchemy was a heterogeneous field of knowledge, which was practiced, discussed, and transmitted in different linguistic and cultural contexts, taking on different meanings and formats that ranged from artisanal experimental recipes to occult rituals. Using long-term comparative analysis, this project will reconstruct how knowledge about nature, materials, and artisanal skills was generated philologically, and conveyed in texts. The project spans multiple eras and relies on cooperation within the cluster: it links the alchemical-philological practices of the pre-modern era with their reception in 19th- and 20th-century history of science (e.g. by Julius Ruska), and contrasts these earlier discourses with current methodological approaches such as digital or performative methods. In this context, “philological practices” are understood as a multi-perspective form of knowledge production that has developed historically and is culturally influenced, and which has also exercised an impact far beyond philology in its narrow sense.
Promotionsprojekt (abgeschlossen)
Vergangenheit unter dem Mikroskop. Kooperative Forschungspraxis von Natur- und Geisteswissenschaften, 1880–1930 (Franz Steiner Verlag, 2024)
In Vergangenheit unter dem Mikroskop erforscht Josephine Musil-Gutsch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Natur- und Geisteswissenschaftlern im deutschsprachigen Raum um 1900. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen kooperierten zu jener Zeit miteinander, um materielle Quellen mittels naturwissenschaftlicher Methoden zu untersuchen. Gemeinsam analysierten sie kulturhistorische Objekte aus Papier, Wachs und Glas, um deren Datierung und Herkunft zu bestimmen. Musil-Gutsch widmet sich dabei der Dynamik, dem Wissensaustausch und den Bedingungen der Kooperationen. Einfluss auf die Kooperationen hatte z. B. die Entwicklung der Mikrochemie und der Fokus auf die Materialität historischer Quellen in geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Die Vielfalt der Kooperationen veranschaulichen Beispiele wie die Datierung mittelalterlicher Manuskripte durch Paläographen und Botaniker oder die chemische Analyse einer Wachsbüste in den Berliner Museen durch Chemiker und Kunsthistoriker. Vergangenheit unter dem Mikroskop wirft erstmals einen eingehenden Blick auf die gemeinsame Forschungspraxis von Natur- und Geisteswissenschaften und schreibt damit eine Verflechtungsgeschichte diverser natur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen um 1900 jenseits der „Zwei-Kulturen“-Debatte.
