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Raum:
01.223
Forschungsschwerpunkte
- Geschichte der Erdwissenschaften
- Geschichte der Physik
- Geschichte der Chemie
- Wissenschaftliche Konzepte der Zeit
Dissertationsprojekt
Measuring Earth History: Radiometric Dating and the Quantification of Geolologic Time (1910-1960)
Wie alt ist die Erde? Wie schnell bewegen sich Kontinente? In welchen Zeiträumen findet Evolution statt? Versuche, solche Fragen zur Geschichte der Erde empirisch zu beantworten, reichen ins 19. Jahrhundert zurück. Doch erst im 20. Jahrhundert entwickelte sich die radiometrische Datierung zu einer überaus leistungsfähigen Methode, die eine systematische Quantifizierung geologischer Zeit ermöglichte. Radiometrische Methoden beruhen auf dem Prinzip, dass sich anhand radioaktiver Minerale bestimmen lässt, wie lange ein Zerfallsprozess bereits andauert – und damit, wie alt eine Gesteinsprobe ist. Die zugrunde liegenden Zerfallsreihen waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts allerdings selbst noch weitgehend ungeklärt.
Dieses Dissertationsprojekt untersucht die Entwicklung radiometrischer Datierungsmethoden von den Anfängen der Radioaktivitätsforschung bis zu den ersten modernen quantitativen geologischen Zeitskalen um 1960. Es verfolgt zunächst, wie chemische Untersuchungen radioaktiver Gesteinsproben durch Atomgewichtsanalytiker zentrale Belege für die Existenz von Isotopen und erste Hypothesen über Zerfallsreihen lieferten und wie aus der Zusammenarbeit von Geologen und Chemikern die ersten systematischen Altersbestimmungen hervorgingen. Anschließend wird gezeigt, wie die frühe Massenspektrometrie zur Klärung der Zerfallsreihen beitrug und parallel dazu grundlegende Erkenntnisse über die Geologie von Uran und Blei gewonnen wurden – Forschungslinien, die nahtlos in die Atombombenprojekte des Zweiten Weltkriegs mündeten. Eine Untersuchung der unmittelbaren Nachkriegszeit zeigt, wie unter anderem Veteranen des Manhattan-Projekts neue geochronologische Modelle entwickelten, die erstmals der Frage Rechnung trugen, welche geologische Bedeutung einzelnen Messergebnissen überhaupt zukam. Schließlich wird untersucht, wie sich im Kontext der entstehenden Earth Sciences spezialisierte Labore und hybride Disziplinen wie die Geochemie herausbildeten.
Das Projekt wird von Kärin Nickelsen (LMU München) und Naomi Oreskes (Harvard University) betreut und fokussiert sich auf Wissenschaftler und Institutionen in den USA, England, Deutschland und Österreich.
Kurzvita
- Wintersemester 2026: Visiting Fellow of the Department of the History of Science (Harvard University)
- seit 2025: Promotion am Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte (LMU München)
- 2020–2023: M.A. Philosophie (Universität Heidelberg)
- 2016–2020: B.Sc. Physik (Universität Heidelberg)
Vorträge
- Juli 2026: Discordant Measurements and Models of Concordance in Mid-Century Geochronology, 2026 HSS/ESHS Joint Meeting (Edinburgh, UK)
- October 2025: Measuring Earth History: Radiometric Dating and the Quantification of Geologic Time, Research Colloquium, Deutsches Museum (München)
- May 2025: A Committee for the Ages: The Coordination of Geologic Time Measurement in the First Half of the 20th Century, Decoding Our Planet – The Making of Geophysics, Royal Institution (London, UK)
Auszeichnungen/Stipendien
- Promotionstipendiatin der Gerda Henkel Stiftung seit 2026
- Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes 2016 – 2023
